Firmin, Josiane und die anderen
Es brauchte eine Kennung. Eine Nummer hätte technisch gereicht und die App in einer Sekunde erledigt.
Also nahmen wir hundert Vornamen aus einer anderen Zeit. Firmin, Josiane, Ghislaine, Marcel, Odette, Léon, Simone, Gaston, Berthe, Achille, Fernand, Yvette. Großelternnamen. Namen von Klingelschildern und Todesanzeigen.
Warum es funktioniert
Ein selbst gewählter Spitzname ist eine Aussage. Man legt seine Ironie hinein, seine Nische, seine Laune. In drei Zeichen hat man die Leute schon sortiert.
Ein zugeteilter Name nicht. Niemand hat sich ausgesucht, heute Abend Ghislaine zu sein. Das stellt alle auf dieselbe Ebene und nimmt die erste Schicht Pose weg. Vor allem macht es Lust zu reden: „Firmin“ sagt man mit einem Lächeln, „Benutzer 4471“ sagt man gar nicht.
Der Name ist auf der Bank einmalig — zwei Firmins auf zehn Plätzen wären ein Durcheinander. Er hält bis Mitternacht, auch wenn du die App schließt und wiederkommst. Danach geht er zurück in den Sack.